Bild von Vera Hilger o.T.,    Öl/Tempera auf Holz 19cm x 23cm , 2012

Arbeiten


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über Vera Hilgers Arbeiten

von Prof. Dr. Blanchebarbe

Die Summierung von Strukturen, eine Sedimentation hauchdünner Schichten - das ist das Thema in den Arbeiten von Vera Hilger.
Ihre Malereien beschäftigen sich mit Form und Farbe. Es geht einerseits um den Raum, nämlich einen sowohl geistigen wie auch im Wortsinn "geistlosen" Erinnerungsraum, um eine Dingwelt, die ihren Ausdruck im Licht der eigenen Erlebnisfähigkeit wechselt. Vera Hilgers Kunst ist eine Suche nach den Koordinaten, die die Struktur des Bildraums bestimmen, ihn eingrenzen oder entgrenzen.
Eine Annäherung an ihre Bilder lässt sich deshalb mit den Mitteln der Sprache nur versuchen, sie muss notgedrungen ungenau, subjektiv und unzureichend bleiben. In ihren bildlichen Ergebnissen verschwimmen die Grenzen zwischen den Kategorien Form und Farbe. Die Farbe wird selbst zur Form, zugleich behauptet sie ihre materielle Qualität, ihre "Stofflichkeit". Sie wird in ihrer Veränderlichkeit zur lichttragenden Substanz, denn sie ist nie dieselbe, nie stabil. Die dabei entstehenden, nur angedeuteten und auf Farbmassen gesetzten Formen lassen vielfältige Assoziationen zu. Allerdings bleibt der Weg zum Bild immer das Wichtigste, der Prozess der Entstehung zählt. So erscheinen auf manchen Bildern frei ausfransende Flecke, die lasierend darunter liegende Farbschichten nicht nur erahnen, sondern deutlich sichtbar werden lassen. Auf eigentümliche Weise wandeln sich manche Bilder vor den Augen. Vermittelt ein Bild den Eindruck vitalen Ungestüms, so kehrt es im nächsten Moment Züge planvoller Strukturiertheit heraus. Verlockt es zu figürlichen Assoziationen, so schränkt es dieses Angebot mit der Zusicherung semantischer Offenheit gleichzeitig ein. Die Bilder von Vera Hilger sind voller Nuancen und Brechungen. Man muss als Betrachter in Bewegung bleiben, um sie genau zu erfassen und um ihren Reichtum an Formen wie Farben zu entdecken. Man muss erst seinen Standort finden, ihn überdenken, überprüfen und aus der Summe für sich die Gesamtsicht einer möglichen Betrachtung finden. Der Betrachter ist aufgefordert, das Bild wie einen Text zu dechiffrieren, er soll in seine Struktur eindringen und seine eigenen Erkenntnisse erweitern. Lässt man sich darauf ein, zeigt sich, dass die Gemälde aus mehreren Ebenen bestehen, die sich während der Entstehung überlagert haben, wobei diese Ebenen in ihren Spuren, Anmutungen und Andeutungen im endgültigen Bild sichtbar bleiben.
So bieten die Bilder verschiedene Möglichkeiten des Zusammensehens und bilden dennoch im Resultat eine Einheit. Die außergewöhnlich sinnliche Qualität von Vera Hilgers Bildern lässt das Sehen so zu einer elementaren Erfahrung werden. Der aktive Betrachter wird über den Intellekt gesteuert, der das Erfassen der Bilder wiederum in einen reflektorischen Prozess überführt. Das Bild weist in allem, worauf es anspielt stets auf sich selbst zurück. Es zeigt seine Mittel, die Materie der Farbe stets mit vor, ohne sich dadurch zu erschöpfen. Die Schichtungen geraten in optische Schwingungen, ein Vibrato bildet sich, das von der Anonymität der Form verstärkt wird, auch wenn eine letzte Erinnerung an die Landschaft früherer Bilder bewahrt bleibt. Die Nachbarschaft von Form- und Farbelementen unterschiedlicher Genese und Eigenart trägt zur Komplexität der räumlichen Erscheinung bei, und sie macht eindringlich auf eine eng mit der räumlichen Konstitution zusammenhängenden Besonderheit aufmerksam, das vielstufige Sich-in-der-Zeit entfalten. Hier wird ein weiterer Aspekt wichtig, der der Zeit, denn jedes Bild bewahrt seine eigenen Zeitquantitäten.
Die Bilder von Vera Hilger sind eine Hommage an den Augenblick, an den Moment, den Zeitpunkt, der sie zur endgültigen Bildfindung führt, denn "Sehen ist die Orientierung in Raum und Zeit" (Gerhard Hoehme).

Vita

1971          geboren in Schleiden
1991 -1993 Philosophiestudium an der RWTH Aachen
1993 -1997 Malereistudium an der Kunstakademie Maastricht
                lebt und abeitet in Aachen und Köln

Ausstellungen

2015   15.01.-21.02. | artothek Köln, Eröffnung 14.01. - 20Uhr (es erscheint ein Katalog)
2014   Die Grosse Kunstausstellung NRW, Museum Kunstpalast Düsseldorf
2013   edition norm, Barbette - Berlin
          OSTRALE´013 Dresden
          Intervalle, Kirche St. Marien in Würselen
2012   Kunstroute, Wanda Reiff, Bemelen (NL)
          Prix Louis Schmidt, Musee d'art contemporain - Freie Universität Brüssel (B)
          Pulsar, Bild für die Kirche St. Nikolaus (Citykirche), Aachen
2011   ikob Kunstpreis 2011, Museum für zeitgenössische Kunst in Eupen (Belgien)
          Vera Hilger - Bilder 2010/11, Galerie Freitag 18.30, Aachen
2009   Schimmer, Siegerlandmuseum Ausstellungsforum Oranienstrasse, Siegen
2007   Stipendium Stiftung Starke, Artist in residence, Berlin
          Galerie Geymüller, Essen
          Galerie Arcane, Lüttich (Belgien)
2006   Sfumato, Raum für Kunst, Aachen
          Landschaft, Galerie Wolfs, Maastricht (Niederlande)
2004   petit comité, Galerie Wolfs, Maastricht
2003   Spaziergang, Galerie Wolfs, Maastricht
2002   Galerie Wolfs, Maastricht
2001   Galerie Pin, Bielefeld
2000   Galerie Cave Canem, Aachen
1999   Galerie Cave Canem, Aachen
1997   Examensausstellung Akademie Beeldende Kunsten, Maastricht
1995   Galerie van Laethem, Hasselt (Gruppenausstellung, Akademienauswahl)

Ausstellungskataloge und -editionen

Preise/Stipendien/Förderungen

2011   Nominierung zum ikob Kunstpreis 2011, Eupen(B)
2007   Stipendium Artist in residence, Stiftung Starke, Berlin

Kontakt


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Vera Hilger
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Ulrich Jansen Hamburg, Fotografie . Transkriptionen für Violine und Violoncello Rolla - Italienische Duette CD Album, Paganini schwabenstreich. Pedro Boese, Berlin - konkrete Malerei Vera Hilger auf Artnews.org

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Moderne Malerei
Moderne Kunst

Mechtild Bekmann - Berlin, Kunst Konkrete Malerei, Michael Krupp / Aachen

Vom Schimmer der Materie

Interwiev mit Vera Hilger von Markus Baldegger

zeitgenössische Malerei

Eine Spirale ist eine vertikal um ein Nichts gewundene Schlange, die keine Schlange ist.
Fernando Pessoa, Buch der Unruhe,117

Der erste Blick am Morgen aus dem Fenster. Wenn das Licht sich flirrend erhebt, die weite Landschaft sich allmählich aus dem Nebel löst. Die Schwankungen des Lichts und der Luft vor Augen, malt Vera Hilger seit Jahren in Belgien.
Die Illusion von Licht ist -neben der des Raumes- eines der Dinge, womit sich Maler beschäftigen. Jedes Material hat seine Sprache, ist eine Sprache. Vera Hilger verwendet das Material, Tempera und Ölfarben, auf eine sehr eigene, für sie spezifische Weise. Sie hat in ihren Bildern eine unverwechselbare Sprache mit einer sehr persönlichen Syntax und individuellen Bildstrategien entwickelt. Ein alle Bilder verbindender Aspekt ist, dass malerisch der Versuch gemacht wird, das vielfältige Schimmern des Lichts farblich umzusetzen.
Die eigenwillige Art und Weise, wie das Material geknetet, verwandelt, geformt wird, lässt eine komplexe Farbmaterie entstehen, die für ihre Bilder typisch ist:
"Das Material soll schimmern, so dass es eine Art Kostbarkeit bekommt, durch die Art und Weise, wie die Farbe aufgetragen ist. Schimmern ist Licht, das auf etwas fällt. Es kann Landschaft sein, die schimmert, es kann auch Luft sein, die vibriert. Es ist indirektes, gebrochenes Licht. Es kann auch nur an einer Stelle schimmern und der Rest, die ganze Fläche trägt das Schimmern mit."

Abstrakte Malerei

Auf die Frage, wie sie denn dieses Schimmern herstelle, erklärt sie:
"Ich versuche, das Material dazu zu bringen, etwas zu tun, was es von selber kann. Durch eine Lasur zum Beispiel oder wenn ich das Bild abwasche oder wenn ich die Farbe auf eine bestimmte Art auftrage, können Wirkungen entstehen, die aus dem Material selbst kommen und mir einen Hinweis geben, wie ich weitergehen kann."
Die Materie, die über lange Zeiträume entsteht, enthält alle Schwankungen des Malprozesses; die Zeit, die Dauer hat Spuren hinterlassen. Man sieht der Farbhaut an, dass sie durch viele Schichten, Störungen, Verwerfungen, Gegensätze von kalt/warm, hell/dunkel, dünn/dick entstanden ist. So entstehen Farbcluster, in denen alle Schattierungen mitschwingen, gewachsen wie eine Zwiebelhaut oder Jahresringe bei einem Baum. Langsame Bilder, entschleunigtes Sehen, in der Materie versiegelte Zeit.
"Durch wiederholte Überlagerung und nicht durch ein aufgesetztes helles Licht entsteht irgendwann der hellste Fleck. Das Schimmern entsteht aus vielen Farblagen, es kann eine landschaftliche Lage sein, dann eine zeichnerische Lage mit Mustern und wenn sie zusammenkommen, verhält sich das Material im Idealfall so, dass durch den Kontrast der Ebenen ein Schimmern entsteht."

zeitgenössische Kunst

Man könnte die syntaktische Struktur dieser Bilder beschreiben als verwobene Schachtelsätze, mit Verweisen, Einschüben, Klammern, Rückblenden. Auf jeden Fall sind es keine Behauptungssätze, die Gewissheiten ausdrücken. Die Farbe der Bilder ist verhalten, vielfältig, offen für Vermutungen.

Konkrete Malerei

Manchmal hat die Farbigkeit etwas Diffuses, Nebliges. Das Vage, zum Teil Verhüllte macht auch das Geheimnisvolle des Schimmerns aus, das ahnen lässt, Vorstellungen, die nur angedeutet werden.
Der Betrachter kann mit den Augen in den Bildern gleichsam spazieren gehen. Spazieren ist so etwas wie eine Metapher für diese Bilder. Mit gutem Grund. Lange Spaziergänge bei jedem Wetter am Spätnachmittag durch den Wald, über die Wiesen, am Fluss vorbei. Immer wieder das Gleiche anders sehen, bewusstes Hinschauen, im Tempo des Gehens sehen, sich beim Wahrnehmen beobachten. Um zu differenzieren, zu akzentuieren und zusammenzufassen. Malen als eine andere Art zu sehen.

Landschafts Malerei

Die früheren Bildern unterscheiden sich von den neueren Bildern am meisten darin, dass sie eine Art Landschaftsvorstellung enthalten, so etwas wie ein Gerüst für den Betrachter, in dem er seine Augen wandern lassen kann. Die Bilder haben einen einheitlichen Bildraum und sind nach hinten, in die Tiefe gemalt mit unterschiedlichen Brennpunkten. Das Schimmern ist in diesen Bildern noch deutlicher, denn es hat immer etwas mit dem Naturbezug zu tun, mit den Elementen Luft, Licht, Wasser, Nebel, Dämmerung. Es entsteht eher ein Glimmen aus der Tiefe und ein Flimmern auf der Oberfläche, bei den neueren Bildern schwebt das Leuchten auch zwischen den Ebenen. Durch die anders geartete Untersuchung desselben Lichtphänomens sind die malerische Substanz und das Erkenntnisinteresse gleich geblieben, nur der Bildraum wird anders definiert.
Die neuen Bilder sind nach vorne gemalt, der Bildraum hat nicht mehr diese Tiefenillusion, sondern ist Fläche.

nicht mehr diese Tiefenillusion, sondern ist Fläche. Die räumliche Organisation der Bildelemente, die Bezüge der Details zum Bildganzen und umgekehrt haben sich verändert. Der Fokus pendelt zwischen Tiefenräumlichkeit und Nahsicht.
Manchmal hat man den Eindruck, in den neuen Bildern frühere Bilder wie durch einen Zoom zu sehen. Es entstehen vielfältige Farbräume, die zwischen den Ebenen schwanken und sich für unsere Wahrnehmung offen entwickeln. Es ist gerade diese Vielheit des malerischen Raumes in den neuen Bildern, die die Einheitlichkeit unserer Wahrnehmung in Frage stellt.

Wie aus Sehbildern Malbilder werden, will ich wissen.
"Das ist schwer zu beschreiben. Ich habe ja kein festes Bild im Kopf, wenn ich ein Bild anfange. Das Entstehen passiert nur im Prozess und durch das Reagieren auf das, was ich vor mir sehe."
"Aber du musst doch eine Vorstellung haben."
"Nur so ungefähr; sie setzt sich aus allem zusammen, was ich schon mal gesehen habe, aus Malerei, die ich gut finde, aus Beobachtungen, visuellen Erlebnissen, die sich eingeprägt haben.

Sfumato

Ich glaube, dass ein Bild auch die Erinnerung anstoßen muss, auch jedes abstrakte Bild muss den Betrachter an etwas erinnern, was er schon mal erfahren hat, sonst ist es tot, sonst ist da einfach "nur" eine Farbe und das Bild funktioniert nicht."
"Das heißt, dass es irgendetwas Persönliches sein muss, was du einkreist oder definierst?"
"Nein, ich meine Erfahrungen, die jeder teilen kann und in den Bildern will ich Erinnerungen mit optischen Mitteln hervorrufen."
" Welche Rolle spielt die Umgebung, in der du malst?"
"Das war bestimmt immer die Hauptkomponente, die Schwankungen des Lichts in der Landschaft, oder die Luft. Das bleibt auch erhalten, aber mittlerweile versuche ich, die Vorstellungen, die ich von meinen Landschaften hatte, mit anderen Bildstrategien - zum Beispiel Mustern - zu verknüpfen. Welche neuen Räume die Bilder entwickeln oder wo mich das hinführt, weiß ich noch nicht."

Moderne Malerei

"Was ist das Persönliche, das Eigene an deiner Malerei?"
"Vielleicht, dass das, was zuerst gesagt wird, wieder relativiert wird mit den Lagen, die darüber liegen. Ich male oft die Farbe wieder weg oder zurück. Diese langen Verwebungen, bis es soweit ist, und dieses immer wieder Aufheben, Zerstören und wieder Draufgehen, vielleicht das. Immer wieder zurücknehmen und kommen lassen, bis sie schimmern."

Moderne Kunst

Das ist es, was die Bilder auszeichnet, dass sie offen sind für verschiedene Möglichkeiten, dass sie vielfältig vernetzt sind mit der Wirklichkeit, mit Bildern, die man gesehen hat und Bildern, die sich vor unsern Augen neu und überraschend entwickeln. Sie vergegenwärtigen Erinnerung, formuliert in einer malerischen Sprache mit einer sehr persönlichen Syntax, die in der komplexen Farbmaterie alle Hinweise, Ahnungen, Vermutungen speichert. Wenn das malerische Erkenntnisinteresse immer wieder um den Schimmer der Materie kreist, zeigt das, wie wichtig es ist, einen eigenen Fokus zu entwickeln, immer wieder neu und anders zu sehen und das zu malen.
Es ist eine Art spiralförmiges Nachdenken mit malerischen Mittel über die Möglichkeiten des Visuellen und kein feststehendes Konzept.
Der Schimmer der Materie ist das Gedächtnis, das Resultat des malerischen Denkens.