Vita

1971             geboren in Schleiden
1991 -1993  Philosophiestudium an der RWTH Aachen
1993 -1997  Malereistudium an der Kunstakademie Maastricht
                      lebt und abeitet in Aachen

Ausstellungen

4.9.2022, 11 Uhr
Eröffnung Hochschule für Musik Köln, Abteilung Aachen
im Rahmen des internationalen Klavierwettbewerbs und Festivals Mozarte

11.9.2022, 11-18 Uhr
Eröffnung Galerie Johanna Malich, Roetgen

2022
"form constriction", Galerie Ocqbo, Berlin
mit Tom Saunders, Thorben Eggers, Martim Brion, Michael Bause,Dieter Hammer, Isabel Kerkermeier, Pedro Boese

2021   "Absolutschwelle", Kunstverein Neustadt an der Weinstrasse

2020   Galerie Joli mit Ton Slits und Michael Krupp, Urmond, (NL)

2019   "Raster Raum Fragment", Kunstraum 383, Köln
            Eine kritische Bestandsaufnahme der IKOB Sammlung
            Ausstellungsbeteiligung IKOB Museum (B)
            Stiftung Starke /Jubiläumsausstellung der Stipendiaten
             Gründung des Ausstellungsformates "Raum für Gäste", Aachen
            mit Michael Krupp/ www.raumfuergaeste.de

2018   PAN Amsterdam, mit Galerie Bart, Amsterdam und Nimwegen (NL)
            fuzzy works, Deutsches Institut für künstliche Intelligenz/ Kaiserslautern,
            mit Natascha Brändli

2017   PAN Amsterdam, Galerie Bart, Amsterdam und Nimwegen (NL)
            "Neue Bilder"Forum für Kunst und Kultur, Herzogenrath
            Sommerausstellung mit Ton Slits und Klaus Dauven, Galerie Bart, Nimwegen(NL),

2016   "star work", Sammlungspräsentation, Museum IKOB, Eupen (BE)
            "Danke,danke", Galerie van der Milwe, Aachen
            "Quint-essence", HLP Galerie, Wesseling
            März-Präsentation Wanda Reiff, Bemelen (NL)
            Museum= K(x+y)D Sammlungspräsentation Museum IKOB(B)

2015/16   "Land, licht, lucht en water", Museum van Bommel van Dam, Venlo (NL)
           
2015   "fuzzy sets", artothek Köln
2014   Die Grosse Kunstausstellung NRW, Museum Kunstpalast Düsseldorf
            Kunstroute Margraten Wanda Reiff (NL)
2013   edition norm, Barbette - Berlin
            OSTRALE´013, Dresden
            "Intervalle", Kirche St. Marien in Würselen
2012   Kunstroute, Wanda Reiff, Bemelen (NL)
            Prix Louis Schmidt, Musee d'art contemporain - Freie Universität Brüssel (B)
            "Pulsar", Bild für die Kirche St. Nikolaus (Citykirche), Aachen
2011   ikob Kunstpreis 2011, Museum für zeitgenössische Kunst in Eupen (Belgien)
            "Vera Hilger - Bilder 2010/11", Galerie Freitag 18.30, Aachen
2009   "Schimmer", Siegerlandmuseum Ausstellungsforum Oranienstrasse, Siegen
2007   Stipendium Stiftung Starke, Artist in residence, Berlin
            Galerie Geymüller, Essen
            Galerie Arcane, Lüttich (Belgien)
2006   "Sfumato", Raum für Kunst, Aachen
            "Landschaft", Galerie Wolfs, Maastricht (Niederlande)
2004   "petit comité", Galerie Wolfs, Maastricht
2003   "Spaziergang", Galerie Wolfs, Maastricht
2002   Galerie Wolfs, Maastricht
2001   Galerie Pin, Bielefeld
2000   Galerie Cave Canem, Aachen
1999   Galerie Cave Canem, Aachen
1997   Examensausstellung Academie Beeldende Kunsten, Maastricht
1995   Galerie van Laethem, Hasselt (Gruppenausstellung, Akademienauswahl)


Sammlungen

  • artothek Köln
  • Deutschsprachige Gemeinschaft Belgien
  • Deutsches Institut für künstliche Intelligenz Kaiserslautern
  • IKOB, Museum für zeitgenössische Kunst, Eupen (B)
  • Gemeinde St. Nikolaus, Würselen

Kataloge /
Editionen

  • fuzzy sets, artothek Köln und Museum van Bommel van Dam, Venlo, 2015
  • Schimmer, Siegerlandmuseum Ausstellungsforum Oranienstrasse, 2009
  • Sfumato, Raum für Kunst, Aachen 2006
  • Spaziergang, Galerie Wolfs, Maastricht 2003

über Vera Hilgers Arbeiten

von Alexandra Kolossa

Der Reiz der Unwissenheit

Was sehen wir? Ein Feuerwerk in der Nacht? Die reflektierende Wasseroberfläche eines Sees oder die samtige Anmutung eines Stoffs?
Eine präzise Antwort auf die Frage nach dem, was wir vor uns haben, bleibt uns die Künstlerin Vera Hilger schuldig. Ihre titellosen Bildkompositionen bestehen aus organisch anmutenden Strukturen und diffusen Mustern, die sich vollflächig auf der Leinwand ausbreiten. Die suggerierte Harmonie ist jedoch trügerisch, sind die Bilder doch alles andere als ausgeglichen.
Eigentlich ist die visuelle Wahrnehmung unseres Alltags genau definiert. Wir unterscheiden Lebewesen von Gegenständen, Natürliches von Künstlichem, erkennen Formen und Farben, denen wir in einem lebenslangen Lernprozess Namen und Begrifflichkeiten zugeordnet haben. Aber was, wenn diese Zuordnung fehlt? Was, wenn nicht explizit bezeichnet ist, was wir sehen?
An diesem Punkt setzen die Bilder von Vera Hilger an. Sie wählt für den Zustand ihrer Bilder, die exakt den Übergang von der Abstraktion zur Konkretisierung festhalten, den Begriff der Absolutschwelle. In der Psychologie definiert dieser Begriff die notwendige Mindeststimulation, die benötigt wird, um einen Reiz wahrzunehmen. Übertragen auf den künstlerischen Bereich bedeutet dies, dass die Bilder von Vera Hilger uns gerade so viel Informationen bieten, dass unser Gehirn daraus Rückschlüsse zu ziehen vermag. Der Anblick fordert uns heraus. Wir gleichen ab, stellen Vermutungen an und suchen Übereinstimmungen. Welche Assoziationen konkret der Anblick der Bilder freisetzt, ist jedoch abhängig von ganz persönlichen Erfahrungen und individuellen Empfindungen und nicht definiert.
Vera Hilger arbeitet überwiegend auf großformatigen, nahezu quadratischen Leinwänden. Sie arbeitet seriell, an mehreren Bildern gleichzeitig, immer in Horden, wie sie es selbst bezeichnet. Schicht um Schicht trägt sie die Farbe auf die Leinwand auf. Malt, übermalt oder entfernt auch wieder. Die Verwendung von Tempera bietet ihr dabei den größtmöglichen Spielraum, ob als pastoser Auftrag oder als dünne Lasur in Verbindung mit Ölkreiden. Vera Hilger kombiniert ihre Palette aus überwiegend gedeckten und abgetönten Farben mit kontrastreichen Akzenten, überdeckt beispielsweise Altrosa mit Braun oder Schwarz mit Magenta. Zudem verändern wechselnde Lichtverhältnisse das Farbenspiel auf der Leinwand, lassen sie bewegt und lebendig erscheinen.
Neben den visuellen Reizen wird die Farbe selbst zur Form. Sie tritt als Material qualitativ in Erscheinung. Während des Malakts, der mitunter mehrere Monate dauern kann, entwickeln die Bilder ein Eigenleben. Es vollziehen sich Prozesse auf der Oberfläche, die von der Künstlerin nicht mehr beeinflusst werden können. Sie lässt chemische Reaktionen und farbliche Kompositionen geschehen und ganz bewusst passieren. Stellenweise bricht die Oberfläche auf und lässt tieferliegende Schichten erneut hervortreten. Minimale Blitzer, punktuelle Flächen oder aufgeplatzte Blasen erscheinen wie Fenster, die einen Blick auf die verborgenen Texturen erlauben. Diese partiellen Einsichten lesen sich wie eine Art Subtext der Bilder und betonen die enorme Tiefe der Arbeiten.
Vera Hilger experimentiert, ohne Hypothese. Sie tritt in einen Dialog mit ihren Bildern, ohne vorher das Thema zu kennen. Der Moment der leeren Leinwand ist für die Künstlerin immer der freudige Auftakt eines Spiels um Aktion und Reaktion. Das Bild bestimmt, wann die finale Schicht erreicht ist, wann die Künstlerin den Malprozess nicht mehr beeinflussen kann. In seltenen Fällen unterbricht Vera Hilger das Spiel vor dem eigentlichen Ende. Das Resultat sind sogenannte Seitenableger, die faszinierende Zwischenstufen offenbaren, vielleicht nur temporär, manchmal für immer. Was sehen wir also? Größer als der Reiz, das Gesehene zu benennen, ist das Wissen um die verborgenen Reize, die unterhalb der Absolutschwelle bleiben.

about Vera Hilgers works

from Alexandra Kolossa

The attraction of ignorance

What are we seeing? Fireworks in the night? The reflective surface of a lake or the velvety appearance of a fabric?
The artist Vera Hilger leaves the question about what is in front of us unanswered. Her untitled composed images consist of organic structures and diffuse patterns, which spread out over the total surface of the canvas. The suggested harmony is misleading, however. The images are anything but even-tempered.
Actually the visual perception of our everyday life is accurately defined. We differentiate between living beings and objects, between the natural and the artificial. We recognize shapes and colours, to which we have assigned names and notions during a lifelong learning process. But what if this notion is missing? What, if what we see is not explicitly designated? This is where Vera Hilger’s paintings begin.
She chooses a point in her paintings which exactly fixates the transition from abstraction to concreteness, the concept of the differential threshold. Psychology defines this concept as the minimum level of stimulation that is detectable by a person.
Transferred to the area of art this means that Vera Hilger’s paintings give us exactly the minimum level of information with which our brain is capable of drawing conclusions. Her paintings challenge us. We compare, make presumptions and look for confirmation. Which associations the sight of the paintings in fact releases depends however on our very personal experiences and individual sensations. They are not defined.
Vera Hilger mostly works on large format, almost square canvases. She works concurrently, on more than one painting at the same time, always in hordes, as she notes. She applies the paint to the canvas layer upon layer. She paints, paints over and sometimes removes again too. The use of tempera allows her the utmost freedom, be it in impasto application or in thin glaze, combined with oil chalks. Vera Hilger combines on her palette mostly muted and toned down colours with contrasting accents. For instance she covers altrose with brown or black with magenta. On top of that, changing lighting conditions change the play of colours on the canvas. They make them appear varied and lively. Apart from its visual stimulation the paint itself appears as shape. As material it becomes a qualitative manifestation
During the process of painting, that sometimes takes several months, the paintings develop their independent existence. On the surface processes are realised, that can no longer be influenced by the artist anymore. She consciously allows chemical reactions and colour compositions to develop. On parts the top-layer breaks open and deeper layers appear again. Smallest flashes, point shaped areas or bursting bubbles appear like windows, that allow a view on hidden textures. These partial insights let themselves be read like a kind of subtext to the paintings. They emphasise the enormous depths of the works.
Vera Hilger experiments, all without hypotheses. She starts a dialogue with her paintings, without knowing the theme beforehand. The moment in front of the blank canvas is for the artist always the joyful prelude of a game of action and reaction. The painting decides, by the time the final layer has been reached, when the artist can’t influence the process of painting any longer. In rare occasions Vera Hilger interrupts the game before its true completion. It results in so called side offshoots, which reveal fascinating intermediate stages. Sometimes these are only temporary, sometimes definite.
So what are we seeing? Stronger than the temptation to define what is being seen is the presumption of hidden stimuli that are below the threshold of the consciously perceivable.

Text zur Ausstellung fuzzy sets, 2015

von Rick Vercauteren, Museum van Bommel van Dam, Venlo (NL)

Fuzzy Sets – Into other Scapes
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar".
Antoine de Saint-Exupéry
Im Rahmen der Ausstellung fuzzy sets in der Kölner artothek und der internationalen Ausstellung Into other Scapes im Museum van Bommel van Dam (Venlo) präsentiert die bildende Künstlerin Vera Hilger (Schleiden, Deutschland, 1971) im Jahre 2015 Kunstwerke, die zwischen 2012 und 2014 entstanden sind.
Hilger fertigt nahezu ausschließlich nonfigurative Arbeiten, die sich durch einen delikaten Aufbau in mehreren Temperaschichten auszeichnen, in die gelegentlich viel geringere Mengen an Ölfarbe subtil hineingemischt werden.
Die oft sorgfältig konstruierten Kompositionen haben eine ausgeprägt repetitive und rhythmische Struktur:
Innerhalb eines Bildes wiederholen sich Formen, Flächen, Punkte, Motive, Linien, Löcher, Kugeln oder Blasen, wobei sie sich jeweils nur in winzigen Details unterscheiden. Dabei entstehen nach und nach organisch wirkende Muster, die sich in illusionistischer Hinsicht vor den halbdurchsichtigen Untergründen zu befinden scheinen. Vera Hilgers nonfigurative, titellose Kunstwerke repräsentieren in der Regel genau genommen nichts Konkretes – dennoch wecken sie hin und wieder Assoziationen mit elementaren Prozessen und Phänomenen in der überraschenden, omnipotenten Natur.

Im Jahre 2015 besteht in der Wissenschaft Einvernehmen in der Frage, dass der so genannte Urknall – cartoonhaft als Big Bang bezeichnet – vor 13,8 Milliarden Jahren stattgefunden hat. Zu diesem spezifischen Zeitpunkt entstehen Raum und Zeit. Die Materie im Universum ist anfangs nicht gleichmäßig verteilt. Zunächst gibt es eine faserige, dreidimensionale großskalige Struktur, die aus langgezogenen Schwaden voller Gase besteht. Nach und nach verklumpen diese Gase zu Sternsystemen wie der Milchstraße, in der wir leben.
Dank hochleistungsfähiger Teleskope wissen wir, dass sich die vielen Sternsysteme um uns herum mit enormer Geschwindigkeit von uns entfernen. Das Universum als Ganzes dehnt sich ständig schneller aus. Eine noch unbekannte abstoßende Kraft entzieht der lange angenommenen Verlangsamung durch die Schwerkraft oder den Theorien über eine mögliche Superschrumpfung - als Big Crunch bezeichnet – völlig den Boden. Dieses Wissen führt zu verblüffend neuen Erkenntnissen. Wenn wir uns die Vergangenheit anschauen, ist unser Universum endlich und begrenzt.
Alles, was weiter von uns entfernt ist als die exakte Strecke, die das Licht in 13,8 Milliarden Jahren zurücklegen kann, können wir nämlich in absolutem Sinne nicht sehen. Blicken wir statt dessen in die Zukunft, ist unser Universum unendlich und unbegrenzt. Die Expansion des Universums wird, wie sich aus den jüngsten teleskopischen Wahrnehmungen an weit entfernten, zerfallenden gigantischen Sternen (Supernovas) ergibt, nie mehr aufhören.
Das Sterben eines Sterns ist im Grunde eine entgegengesetzte Miniaturversion des Urknalls, wobei ein wirklicher, katastrophaler Kollaps chemisch zu einer riesigen energetischen und materiellen Stoßwelle transformiert. Eine Implosion verändert sich plötzlich in eine Explosion. Der umgestülpte Stern wird zu einem Nebel, der sich letzten Endes auflöst. Allerdings bleibt ein kleiner, superkompakter Neutronenkern zurück. Dieser seltsame Himmelskörper, der 1967 von Jocelyn Bell und Anthony Hewish entdeckt wurde, dreht sich unzählige Male pro Sekunde um die eigene Achse. Ein sogenannter Pulsar lässt sich am besten mit einem wahnsinnig schnell rotierenden Brummkreisel mit einer Eisenkruste vergleichen, die von einem superstarken Magnetfeld umgeben wird und auf die ohne Unterbrechung elektrisch geladene Teilchen einprasseln. Die Pole des Magnetfelds liegen bei einem Neutronenstern nicht auf der Rotationsachse. Deshalb werden regelmäßig starke Radiowellenbündel ins Weltall ausgesendet. Der ehemalige Riesenstern produziert, nun in superkondensierter Form, jedes Mal wieder neue Lichtbündel. Ein an- und ausgehender, blinkender Pulsar funktioniert in wörtlicher und übertragener Bedeutung wie eine kosmische Bake: ein Leuchtturm im Outer Space.
Normalerweise arbeitet Vera Hilger beim Aufbau ihrer mehrschichtigen Bilder bewusst langsam. In den Jahren 2011-2012 malt sie – als Auftragsarbeit – in nur acht Monaten mit Öl und Tempera das großformatige Pulsar (Abb. Galerie Pulsar, Bild 1 und 2) für die Kirche St. Nikolaus in Aachen; das kolossale Bild hat die Maße 280 x 600 cm. Das Atypische – arbeiten unter relativ hohem Zeitdruck – empfindet die Künstlerin überraschenderweise nicht als Belastung. Die komplexe Komposition in Pulsar kommt ohne eine einzige Vorstudie zustande. Beim spontanen Entstehungsprozess im Atelier gelingt es Vera Hilger vor allem, unterschiedliche Aspekte des Firmaments wie die bereits erwähnte großskalige Struktur und das wundersam visuelle Pulsieren eines letzten Überbleibsels einer Supernova auf fiktive Weise unnachahmlich darzustellen.
Unter anderem stimuliert von ihrer tiefen Faszination für das Himmelszelt ihrer Jugend in dem nachts völlig kunstlichtlosen Dorf Krekel im Nationalpark Eifel überträgt die Malerin auf überzeugend suggestive Weise astrophysikalische Aspekte des Sternenhimmels in Farbe. Dabei berührt sie im Grunde den Kern des Universums: ein ununterbrochenes Strömen in Kombination mit dem ständigen Kommen und Gehen natürlicher Elemente, die die zyklische Evolution des Universums dauerhaft speisen.
Mit ausgesprochenem Malvergnügen beschwört Vera Hilger hier mit klassischen Medien einen für das menschliche Auge in der Realität kaum wahrnehmbaren Raum herauf, in dem der Kontrast zwischen Hell und Dunkel wohlüberlegt und überschäumend herausgearbeitet wird – vor dem bewusst dargestellten, ausgeprägt diaähnlichen Hintergrund kommen die unzähligen Sterne optisch schließlich am besten zu ihrem Recht.
Gleichzeitig fällt auf, dass dieses fast 18qm große illusionistische Mosaik nicht eingefasst ist. Die Künstlerin suggeriert hiermit gezielt, dass dieses große Werk ein winziger Ausschnitt aus einem viel größeren kosmischen Ganzen ist. Durch den bewussten Verzicht auf Rahmen verweist Vera Hilger in philosophischer Hinsicht zugleich direkt auf die ständige konkrete Expansion des Universums.
Während der Ausstellung fuzzy sets (wörtlich zu übersetzen als “Unscharfe Mengen”) im Jahre 2015 in Köln zeigt Vera Hilger überwiegend rechteckige Arbeiten, die sie nach der spektakulären Entstehung von Pulsar gemacht hat. Dabei geht es ausschließlich um titellose, nonfigurative Arbeiten wie das in erster Linie mit besonders ansprechenden, rhythmischen Nuancen in Schwarz und Weiß gehaltene Werk Ohne Titel aus dem Jahre 2012 (Abb. Galerie Pulsar, Bild 7) und das unter anderem dank der Präsenz unzähliger illusionistischer Meteoriten barocker wirkende Gemälde Ohne Titel (Abb. Galerie Pusar, Bild 14) aus dem Jahre 2013.
Die Schau fuzzy sets präsentiert auch kleinere Kunstwerke, die im Vergleich mit den monumentalen Maßen von Pulsar wie Miniaturen wirken. Die Kompositionen von Ohne Titel aus dem Jahre 2014 (Abb. Galerie Pulsar, Bild 11) oder Ohne Titel aus dem Jahre 2014 (Abb.Galerie Pulsar, Bild 21) sind gefühlvoll vielgestaltig und außergewöhnlich kräftig. Über einem graublauen Untergrund mit überwiegend braunen und roten Untertönen hat Hilger – wie in Pulsar – einen interstellaren Mikrokosmos mit zentral positionierten Nebeln sowie helle und dunkle Himmelskörper kreiert. Manche punkt- oder kreisförmige Tupfer in Weiß wurden mit einem Pinsel effektvoll bearbeitet, sodass die Materie der implodierten Sterne horizontal in den angedeuteten Kosmos hineingeweht wird. Die illusionistisch ausströmende Materie wird von einem Sternenwind metaphorisch gesprochen in einen chemischen Kreislauf ad infinitum gebracht werden.
Mitte 2014 entsteht ohne Titel (190 x 180 cm, Abb. Galerie Pulsar, Bild 24). Über ein älteres Werk, das zum Missfallen der Künstlerin einfach nicht geboren werden will, zeichnet Vera Hilger mit relativ fettem Ölstift aus einem Guss ein mäanderndes Muster aus unregelmäßigen Luftperlen und -blasen. Dem anfangs von Zweifeln nahezu vollständig aufgezehrten Bild wird durch diesen Eingriff mit einem Mal neues Leben eingehaucht. Dieser Modus Operandi passt bildhaft und mental genau zu der bereits 1965 von L. A. Zadeh eingeführten mehrwertigen Logik. Diese im Kern um Zweifel kreisende Logik, die im Englischen als fuzzy logic bezeichnet wird, befindet sich in philosophischer und mathematischer Hinsicht auf der zerebralen Schnittfläche zwischen wahr und unwahr.
Mitte 2014 entsteht ohne Titel (190 x 180 cm, Abb. Galerie Pulsar, Bild 24). Über ein älteres Werk, das zum Missfallen der Künstlerin einfach nicht geboren werden will, zeichnet Vera Hilger mit relativ fettem Ölstift aus einem Guss ein mäanderndes Muster aus unregelmäßigen Luftperlen und -blasen. Dem anfangs von Zweifeln nahezu vollständig aufgezehrten Bild wird durch diesen Eingriff mit einem Mal neues Leben eingehaucht. Dieser Modus Operandi passt bildhaft und mental genau zu der bereits 1965 von L. A. Zadeh eingeführten mehrwertigen Logik. Diese im Kern um Zweifel kreisende Logik, die im Englischen als fuzzy logic bezeichnet wird, befindet sich in philosophischer und mathematischer Hinsicht auf der zerebralen Schnittfläche zwischen wahr und unwahr.
Vera Hilgers in den letzten Jahren entstandene Kunstwerke, die die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten sinnlicher Wahrnehmung in Bezug auf großmaßstäbige kosmische Prozesse zum Thema haben, widerspiegeln auf mehreren Ebenen zugleich diese Logik der unscharfen Mengen. Mit aufrichtigem Respekt verweise ich auch gerne auf das Zitat von Antoine de Saint-Exupéry, das diesem Artikel vorangestellt ist. “Das Wesentliche ist unsichtbar. Nur das Herz nimmt wahr, was wirklich wichtig ist.”

text for the exposition fuzzy sets, 2015

from Rick Vercauteren, Museum van Bommel van Dam, Venlo (NL)

Fuzzy Sets – Into other Scapes
„You only see well with your heart. The essential is invisible to the eyes.“ Antoine de Saint-Exupéry
In the context of the exhibition fuzzy sets in Cologne’s Artothek and the international exhibition Into other Scapes in the museum van Bommel van Dam (Venlo) the artist Vera Hilger (Schleiden, Germany, 1971) presents works of art, which have come into being between 2012 and 2014.
Hilger produces almost exclusively non-figurative works, which are characterized by a delicate construction of several layers of tempera, in which occasionally small amounts of oil paint are subtly mixed in. The often carefully constructed compositions have a distinctive repetitive and rhythmic structure. Within a painting shapes, areas, points, motives, lines, holes, balls and bubbles, repeat themselves while varying only in tiny details. In the process organic patterns gradually arise, which seem in an illusionistic way to be arranged in front of half-transparent undergrounds
Vera Hilger’s non-figurative untitled paintings represent generally nothing concrete. Nonetheless, at times they evoke associations with the elemental processes and phenomena in the surprising, omnipotent natural environment.
By the year 2015 it is generally agreed among scientists that the so-called big-bang took place 13,8 billion years ago. At this point space and time came into existence. Matter was at first not evenly distributed. Originally there was a fibrous three-dimensional large structure, which consisted of drawn-out swaths full of gases. Gradually these gases clumped together to form star systems, galaxies like our Milky Way.
Due to powerful telescopes we know that the many galaxies around us are moving away from us with enormous speed. The universe as an entity is expanding faster and faster. A yet unknown repulsive force disproves completely the fundaments of the longtime accepted theory that gravity gradually slows down the expansion, resulting in a possible super-contraction, known as Big Crunch.
This knowledge results in amazing new insights. If we have a look at our past, our universe is finite and limited. Everything, that is further away than the accurate distance light can travel in 13,8 billion years, we cannot see in an absolute sense. If we look into the future instead, our universe is unlimited and infinite. The expansion of the universe will, as we learned from the most recent telescopic observations of distant disintegrating giant stars (Supernovas), never stop.
The death of a star is essentially a reverse mini-version of the big bang, in which a real, catastrophic collapse transforms chemically to a huge energetic and material shockwave. An implosion changes itself instantly in an explosion. The exploded star transforms to a nebula, which in the end will evaporate. Certainly the small, super-compact, neutron nucleus remains. This strange celestial body, which was discovered in 1967 by Jocelyn Bell and Anthony Hewish, turns around its own axis numberless times per second.
A so-called Pulsar can best be compared to an extremely fast rotating humming top with a crust of iron, surrounded by a super strong magnetic field, on which electrical particles crash down without interruption.
The poles of the magnetic fields are not situated on the rotation axes. Because of that bundles of radio-waves are rhythmically emitted into the universe. The former gigantic star, now in super condensed shape, produces light emissions rhythmically. An on and off, blinking Pulsar works, literally and metaphorically, as a cosmic beacon: a lighthouse in outer space.
Usually Vera Hilger consciously constructs her multi-layered canvases slowly. In the years 2011-2012 she painted – commissioned – in no more than eight months the large format Pulsar for the St. Nicholas church in Aachen. The dimensions of the colossal painting are 280 x 600 cm. This atypical way of working, under relatively high pressure, didn’t seem to cause a strain for the artist though. The complex composition of Pulsar arose without a prior draft. During the spontaneous creation process in the studio Vera Hilger succeeded primarily in representing in an unparalleled and imaginative way the different aspects of the firmament and the already mentioned large structure and wondrously visual pulsing of the final remains of a supernova.
Stimulated, among other things, by her deep fascination for the night sky of her childhood in the completely unilluminated village of Krekel in the Eifel National Park, the artist convincingly transfers astrophysical aspects of the starry sky in colour to the canvas. Doing so she basically touches the essence of the universe: an uninterrupted flow, combined with the constant coming and going of natural elements, that powers the cyclic evolution of it.
With distinct enjoyment Vera Hilger conjures up a space, usually hardly visible to the human eye, with classical means, by effervescent and well considered representation of the contrast between light and dark. In front of the consciously represented slide-like background the numberless stars work convincingly optically.
At the same time it is noticed that this almost 18 m2 sized illusionistic mosaic isn’t framed. The artist suggests herewith that this large work is only a small fragment of a far larger cosmic whole. By deliberately renouncing use of a frame, Vera Hilger at the same time refers, in a philosophical way, to the constant expansion of the universe.
At the exhibition ‘Fuzzy sets’ in the year 2015 in Cologne Vera Hilger has shown mostly rectangular works, that she has painted after the spectacular creation of Pulsar. The exhibition consisted solely of untitled non-figurative works, like the one that is primarily constructed from outstandingly appealing rhythmic nuances in black and white (‘Without title’ of the year 2012, 180 x 210 cm) and the one that due to the presence of numberless illusionistic meteorites, has a more baroque appearance (‘Without title’ of the year 2013, 140 x 200 cm).
The exhibition ‘Fuzzy sets’ also presents smaller works, that appear like miniatures against the monumental Pulsar. The compositions (‘Without title’ of the year 2013, 50 x 50 cm) or (‘Without title’ of the year 2014, 50 x 50 cm) are sensitively diverse and extraordinarily powerful. Over a grey-blue underground with mostly brown and red undertones Hilger has created, like in Pulsar, a interstellar microcosmos with centrally positioned nebulas besides light and dark celestial bodies. Many point- or circle-shaped swabs in white are effectively revised with a brush, making it appear that the matter of the imploding stars has been horizontally blown into the implied cosmos. The illusionary effluent matter will metaphorically be brought, by the star wind, into a chemical cycle ad infinitum.
Medio 2014 (‘Without title’ 190 x 180 cm) develops. Over an older work, that to the displeasure of the artist doesn’t want to be born, Vera Hilger draws with a relatively greasy oil chalk ‘in one go’ a meandering pattern of varying air bubbles. The painting, that was formerly consumed by the doubts of the artist, is blown new life into by this intervention. This modus operandi fits in image and mind exactly to the polyvalent logic by L.A. Zadeh, already presented in 1965. This logic, basically circling around doubt, in English language implied as fuzzy logic, is located in the philosophical and mathematical sense on the cerebral section between true and untrue.
Later works of Vera Hilger, which are themed on the possibilities and impossibilities of sensual perception, mirror on several levels this fuzzy logic. With sincere respect I gladly refer to the quote of Antoine de Saint-Exupéry, that is heading this article. “The essential is invisible. Only the heart perceives what is truly important.“

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